Mitarbeitermotivation in Krisenzeiten

Wie Sie mit einer guten Informationspolitik Ihr Unternehmen stärken

In wirtschaftlichen Krisenzeiten stehen Führungskräfte im
Fokus der Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit erfahren sie nicht nur von der
Öffentlichkeit, den Medien, Kunden oder von Geschäftspartnern, sondern
insbesondere auch von den eigenen Mitarbeitern, die sich mit Fragen zur
Krisensituation oder auch mit Befürchtungen und Ängsten an die Geschäftsführung
wenden und Wegweiser aus der Krise erwarten.
 
Einerseits besteht die Aufgabe von Führungskräften natürlich
darin, auf diese Anliegen der Mitarbeiter einzugehen. Auf der anderen Seite ist
es aber auch wichtig, die Mitarbeiter in schwierigen Zeiten zu motivieren und
ihre Leistungsbereitschaft mindestens zu erhalten oder sogar zu steigern, damit
die Krise nicht durch interne Schwierigkeiten noch verschärft wird. Denn gerade
jetzt gilt es, die Arbeit besonders konzentriert und effektiv zu erledigen.
 
Doch viele Mitarbeiter werden durch die besonderen Umstände
verunsichert. Ein entscheidender Faktor, der zur Verunsicherung Ihrer
Mitarbeiter beiträgt, sind falsche oder unzureichende Informationen. Deshalb
ist es unerlässlich, dass Sie als Führungskraft offen mit Ihren Mitarbeitern
kommunizieren und sie umfassend über die Situation informieren. Es ist in allen
Fällen kontraproduktiv, Probleme vor der Belegschaft zu verheimlichen, sie gar
zu leugnen oder auch nur herunterzuspielen. Auch die Mitarbeiter müssen die
gegenwärtige Situation sowie ihre Ursachen, Zusammenhänge und Auswirkungen
verstehen. Unbedingt ist zu vermeiden, dass die Mitarbeiter ihre Informationen
nur aus der Presse oder aus der Gerüchteküche beziehen. Es ist also Ihre
Aufgabe, die Belegschaft umfassend aufzuklären.
 
Hierbei kommt es darauf an, als verantwortliche
Führungskraft Präsenz zu zeigen, persönlich mit den Mitarbeitern zu sprechen
und als vertrauensvoller Ansprechpartner aufzutreten. Mitarbeiter haben in
Krisenzeiten Ängste und Sorgen, die sich nicht mit einem informellen Memo aus
der Welt schaffen lassen. Sie wollen verstehen, was gerade geschieht, und
wollen erfahren, wie die Zukunft aussehen soll. Als Führungskraft können Sie
den Mitarbeitern Sicherheit geben und beweisen, dass auf Sie Verlass ist.
 
Auf die Befürchtungen Ihrer Mitarbeiter können Sie natürlich
nur dann positiv einwirken, wenn Sie verstehen, welche Fragen sie haben und wo
ihre Ängste liegen. Versetzen Sie sich daher in die Lage Ihrer Angestellten,
und reden Sie offen über die anstehenden Probleme. Zeigen Sie echtes Interesse
an der Perspektive der Mitarbeiter. Erläutern Sie, ob, wie und in welchem Maße
die Belegschaft von der Krise betroffen ist. Und sprechen Sie auch über
Lösungsansätze und Maßnahmen, die das Unternehmen ergreift. – Auch wenn diese
Maßnahmen nicht nur Angenehmes bringen.
 
Nichts ist demotivierender als fehlende oder falsche Informationen!
 
Schlechte Neuigkeiten oder Maßnahmen, die zunächst einmal
Einschnitte nach sich ziehen, lösen selbstverständlich keine Jubelchöre aus.
Muss beispielsweise Kurzarbeit eingeführt werden, verschärfen sich die
Zukunftsängste. Solche Situationen sind besonders schwierig und nicht einfach
zu lösen. Doch der einzige Weg zu einer Lösung führt über die offene
Kommunikation. Sie können Ängste nur ausräumen, wenn Ihre Mitarbeiter
verstehen, warum Sie so entscheiden und handeln und was das für die Zukunft des
Unternehmens und der Angestellten bedeutet. Lassen Sie hingegen alle im
Unklaren über Ihre Absichten und Ziele, wird das Misstrauen steigen und die
Motivation rapide sinken.
 
So eine Entwicklung wäre fatal, denn die Krise darf Ihre
Mitarbeiter natürlich nicht lähmen. Verdeutlichen Sie Ihren Mitarbeitern
vielmehr, dass sie selbst ein Teil der Lösung sind. Sagen Sie ihnen, wie sie
selbst zur Überwindung der Krise beitragen können. Floskeln, Allgemeinplätze
oder leere Aufbau-Parolen sind hier allerdings vollkommen fehl am Platze. Diese
offenbaren nur, dass die Mitarbeiter und ihre Sorgen nicht ernst genommen und
nicht in die Krisenbewältigung einbezogen werden – und das ist demotivierend!
Alle bevorstehenden Maßnahmen müssen für die Belegschaft verständlich und
nachvollziehbar sein. Ist das nicht der Fall: Erklären Sie, was warum vor sich
geht. Machen Sie dabei keinesfalls unrealistische oder überzogene
Versprechungen. Verzichten Sie auch auf blinden Aktionismus und
unverhältnismäßige Maßnahmen. Diese untergraben Ihre Glaubwürdigkeit und
gleichzeitig auch die Motivation Ihrer Mitarbeiter sowie das in Sie gesetzte
Vertrauen.
 
Gerade in Zeiten der Krise ist es wichtig, dass Sie die
Kommunikation mit Ihrer Belegschaft als Dialog gestalten. Es reicht nicht,
motivierende Vorträge oder Informationsveranstaltungen abzuhalten. Hören Sie
aufmerksam zu, wenn Ihre Mitarbeiter etwas zu sagen haben, und stellen Sie
Fragen! Kommunizieren Sie unbedingt auf Augenhöhe und niemals von oben herab!
Nur so erfahren Sie, was tatsächlich in Ihren Mitarbeitern vorgeht und wo Sie
ansetzen können, um sie zu motivieren und ihnen Sicherheit zu geben.
 
Vergessen Sie auch nicht: Steckt das Unternehmen, die
Branche oder die gesamte Wirtschaft in der Krise, sind das stets auch
schwierige Zeiten für Angestellte – beruflich und privat. Seien Sie also darauf
vorbereitet, dass die Emotionen womöglich hohe Wellen schlagen und dass Sie
eventuell Unverständnis ernten oder sich sogar Angriffen von Mitarbeitern
ausgesetzt sehen müssen. Bleiben Sie auch hier souverän, lassen Sie sich auf
gar keinen Fall provozieren oder zu unbedachten Äußerungen hinreißen. Suchen –
und fragen – Sie nach den ursächlichen Problemen oder Ängsten, und gehen Sie
gezielt darauf ein.
 
Wenn Ihre Mitarbeiter spüren, dass Sie sich für Ihre Belange
interessieren und einsetzen, dass Sie verstehen, was sie beschäftigt, und sie
in die Bewältigung der Krise einbeziehen, werden die Mitarbeiter sich im
Gegenzug mit dem gleichen Engagement für das Unternehmen einsetzen, an der
Lösung der Probleme mitarbeiten und die Führungsriege tatkräftig unterstützen.
Gerade schwierige Zeiten, die gemeinsam überstanden wurden, sorgen für eine
feste Bindung und motivieren auch für die Zukunft.

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