Führungsarbeit ist Beziehungsarbeit

Willkommen beim neuen Blog der frontline consulting group (gestartet April 2018)

Gute Argumente sind bei Arbeitsanweisungen wichtig, führen aber nicht unbedingt zu lang anhaltender Motivation bei Ihren Mitarbeitern. Nur wenn Sie eine emotionale Beziehung zu Ihren Mitarbeitern aufgebaut haben, werden diese sich nachhaltig engagieren. Der folgende Beitrag zeigt Ihnen, warum professionelles Beziehungsmanagement eines der wichtigsten Werkzeuge der Mitarbeiterführung ist.

Was ist Beziehungsmanagement?

Ob Weihnachtsfeier oder Betriebsausflug – gemeinsame Events und Aktivitäten stärken den Teamgeist und die Beziehung zu Ihren Mitarbeitern. Deshalb ist es wichtig, sie nicht aus wirtschaftlichen Gründen wegzurationalisieren, auch wenn sie allein nicht für ein effektives Beziehungsmanagement ausreichen. Vielmehr sind es viele aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die zur Beziehungspflege beitragen. Ziele des Beziehungsmanagements sind:

  • Sympathie zwischen Führungskräften und Ihren Mitarbeitern herzustellen,
  • Vertrauen und Verlässlichkeit zu schaffen,
  • Führungskompetenz zu zeigen.

Wie Sie die Mitarbeiter emotional erreichen

Argumente sprechen die rationale Ebene an, die die Mitarbeiter zwar verstehen, aber nicht emotional nachvollziehen können. Entscheidend ist, dass Sie die Gefühle ansprechen.

  • Beziehen Sie die Mitarbeiter mit ein, statt nur Arbeitsanweisungen zu geben.
  • Fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach ihrer Meinung, ihren Bedenken.
  • Zeigen Sie sich offen für Ideen und Gestaltungsfreiräume.

„Management by walking around“: direkter Draht zu den Mitarbeitern und ihrem Alltag

Eine Management-Methode, die auf den intensiven und persönlichen Kontakt zwischen Führungskräften und Mitarbeitern setzt, ist zum Beispiel „Management by walking around“ (MBWA). Apple-Gründer Steve Jobs praktizierte diese Methode in Perfektion. Wie es der Name schon besagt, geht es darum, dass Sie sich nicht in Ihrem „Elfenbeinturm“ verschanzen, sondern regelmäßig und außerhalb von Meetings durch das Unternehmen oder Ihre Abteilung gehen. Dadurch lernen Sie die Mitarbeiter in ihrem täglichen Arbeitsumfeld kennen und erfahren so mehr über ihre Bedürfnisse. Für nachhaltige Motivation können Sie nur sorgen, wenn Sie diese Bedürfnisse befriedigen. Durch den Einblick in die Praxis verstehen Sie die alltäglichen Probleme der Mitarbeiter besser, als wenn Sie nur theoretisches Wissen über die Arbeit haben. So finden Sie zukünftig die richtigen Argumente und verschaffen sich Respekt. Ihre Mitarbeiter werden Ihnen nur vertrauen, wenn Sie direkte, persönliche Erfahrungen mit Ihnen gemacht haben. Herbeireden oder einfordern können Sie Vertrauen nicht.

Ihre Mitarbeiter haben bei Ihren Rundgängen die Möglichkeit, leichter mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und zeigen sich dabei eher bereit für offene Worte. Dadurch können Sie Probleme schneller erkennen und entsprechend handeln. So pflegen Sie die Beziehung, ohne sich anzubiedern:

  • Begründen Sie immer, wenn Sie Anweisungen geben.
  • Stellen Sie Fragen, wenn Sie argumentieren.
  • Beachten Sie die Interessen der Mitarbeiter, nicht nur Ihre eigenen.
  • Machen Sie den Mitarbeitern ihren Nutzen deutlich.

Eine gute Beziehung zahlt sich vor allem in schwierigen Situationen aus

Beziehungen sind nicht immer gleichbleibend stabil, sondern verändern sich. Ihre Mitarbeiter sind keine eindimensionalen Persönlichkeiten. Sie haben verschiedene Seiten, zeigen sich als Privatperson mitunter völlig anders, als Sie sie im Berufsleben kennen. Wenn ein Mitarbeiter sich plötzlich verändert, sein bisheriges Engagement am Arbeitsplatz zum Beispiel stark reduziert, ist es wichtig, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Hinter diesen neuen Verhaltensweisen stecken meistens emotionale Gründe. Prioritäten können sich verschieben, wenn sich etwa das Privatleben des Mitarbeiters einschneidend verändert. Manchem Mitarbeiter ist diese Situation so unangenehm, dass er – anstatt klar zu kommunizieren – lieber die Unzufriedenheit seines Vorgesetzten riskiert. Zeigen Sie ehrliches Interesse und  versuchen Sie, die wahren Gründe für das veränderte Verhalten herauszufinden. Dann können Sie gemeinsam mit dem Mitarbeiter an einer Lösung arbeiten, die seiner neuen Situation gerecht wird und somit seine Motivation wieder steigern.

Situatives Führen: Passen Sie Ihren Führungsstil an die Situation des Mitarbeiters an

Führung hängt also in hohem Maße von der persönlichen Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter ab, aber auch von der individuellen Situation des Mitarbeiters. Damit ist die persönliche Reife gemeint, die der Mitarbeiter bei der Erledigung der ihm gestellten Aufgaben zeigt. Dabei spielt die fachliche Kompetenz genauso eine Rolle wie die Motivation des Mitarbeiters. Der gleiche Mitarbeiter kann bei verschiedenen Aufgaben unterschiedliche Reifegrade zeigen: Vielleicht ist er sehr gut für Projektarbeit geeignet, zeigt aber bei administrativen Tätigkeiten wenig Kompetenz und Motivation. Wenn Sie Ihren Führungsstil der individuellen Situation des Mitarbeiters anpassen, vermeiden Sie seine Über- beziehungsweise Unterforderung. Dieses sogenannte „situative Führen“ folgt dem Prinzip des Förderns und Forderns.

Verfügt der Mitarbeiter bei einer Aufgabe noch über wenig Fachkompetenz und zeigt geringe Motivation, geben Sie ihm klare Arbeitsanweisungen und kontrollieren Sie ihn regelmäßig. Zeigt der Mitarbeiter eine größere Reife, ist vor allem die Unterstützung und Förderung des Vorgesetzten wichtig. Wenn ein Mitarbeiter hoch motiviert und fachlich geeignet ist, sind weniger Vorgaben und Kontrolle notwendig, dafür mehr Vertrauen und Handlungspielräume. Dann ist es gut, die Aufgabe vollständig an ihn zu delegieren. Mit diesem situativen Führungsstil begegnen Sie am besten der Komplexität der Aufgaben, die Mitarbeiter heutzutage bewältigen müssen.


Die Pflege der Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung ist ein wichtiges Element der Führungsarbeit. Wenn Sie regelmäßig in direktem Kontakt zu Ihren Mitarbeitern stehen und Ihren Führungsstil an die individuelle Situation anpassen, werden Ihre Mitarbeiter auch langfristig motiviert arbeiten.

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    iStockphoto/Vasko