Mitarbeiter führen mit Achtsamkeit

Willkommen beim neuen Blog der frontline consulting group (gestartet April 2018)

Mitarbeiter führen ist eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe. Dennoch gelingt sie vielen Managern nicht – denn sie schaffen es nicht, ihre Mitarbeiter genügend zu achten.

Stattdessen betrachten Sie sie als reine Produktionskräfte und stoßen deshalb auf Widerstand. Warum eine mitarbeiterorientierte Führung so wichtig ist.


„Führen heißt vor allem, Leben in den Menschen wecken, Leben aus ihnen hervorlocken.“
Anselm Grün, Benediktinermönch und Autor


Mehr Achtsamkeit: Vorsatz für eine gute Personalführung

Dass die gedankliche Verbindung von „Mitarbeiter führen“ und „Leben erwecken“ von einem Benediktiner stammt, ist nur auf den ersten Blick ein Zufall.

Der seit dem 9. Jahrhundert offiziell existente Orden formulierte für sich als spirituelle Formel das Motto „Ora et labora et lege“ (Bete und arbeite und lies). Nicht nur das Gebet, sondern auch das Leben und die Arbeit in Gemeinschaft besitzen für die Mönche gottesdienstliche Qualitäten. Jedes Mitglied der Gemeinschaft sollte daher auch in seinen Bedürfnissen und Lebensäußerungen ernst genommen werden.

Im Kern sind Anselm Grüns Worte ein Plädoyer für Achtsamkeit den Menschen gegenüber, die wir führen.

Mitarbeiter so führen, dass sie gesund und leistungsfähig bleiben

Wie wichtig gute und menschliche Führungsarbeit ist, verdeutlicht der „Stressreport 2012„, der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben wurde.

Die Ergebnisse der Studie sind brisant: Die Fehlzeiten von Arbeitnehmern durch psychische Leiden haben sich im vorletzten Jahr auf 53 Millionen Krankheitstage aufaddiert.

Immer mehr Deutsche fühlen sich erschöpft und ausgebrannt oder erleiden einen echten Burnout – ihr Arbeitsumfeld macht sie krank, auch durch Fehler in der Mitarbeiterführung.

Der Report kommt jedoch auch zu positiven Fazits: Wichtige Ressourcen in der Arbeitswelt sind demnach ein kollegiales Umfeld, menschliches Aufgehobensein im Unternehmen und Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht nur als Effizienz-Faktoren sehen.

Arbeitnehmer erkranken seltener, wenn ihre Chefs sie unterstützen. Allerdings sind viele Führungskräfte selbst gestresst, so dass sie weder Zeit noch Nerven für ihre Teammitglieder haben.

Mitarbeiter führen reduziert sich vor diesem Hintergrund oft auf reine Aufgabenverteilung.

Mitarbeiter führen á la „Vom Mut, hinabzusteigen“

Trotzdem sollten Vorgesetzte schaffen, durch ihre menschlichen Kompetenzen, „Leben in den Menschen zu wecken“, sie für ihre Arbeit zu begeistern, ihre Potenziale zu entwickeln und zu nutzen, sie gut anzuleiten – und mit ihnen achtsam umzugehen.

Diese Aufgaben stecken den hohen Anspruch ab, dem sich Menschen in leitenden Positionen gewachsen zeigen müssen, wenn sie Mitarbeiter führen.

Gängige Managementtheorien, Coachings und Seminare widmen sich zwar der „Ressource Mensch“ – die Verbindung von Achtsamkeit und Mitarbeiter führen spielt dabei in der Regel keine Rolle.

Pater Anselm Grün, ein promovierter Theologe, der betriebswirtschaftlich ausgebildet und selbst Autor diverser Management-Bücher ist, entwickelt seine Sicht auf Führung aus einer spirituellen Position.

Für ihn ist der Mensch keine betriebswirtschaftliche Größe, sondern zuallererst ein Mensch, der sich auch in der Arbeitswelt in einem menschlich definierten Raum bewegen sollte.

Diesen nachhaltig zu etablieren, erfordert Demut – für Anselm Grün eine der wichtigsten Tugenden für alle, die Mitarbeiter führen.

In einem Artikel für das „Handelsblatt“ vom 12. Dezember 2013 schreibt er unter der Überschrift „Vom Mut, hinabzusteigen“, dass Mitarbeiter führen vor allem Dienen heißt.

Für Chefs heißt Dienen, die Menschen – ihre Mitarbeiter – mit all ihren Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt zu stellen und in der Beziehung zu ihnen und zu sich selbst menschlich zu agieren.

Die Crux dabei: Das Wort Demut hat in der Welt der Wirtschaft einen schlechten Klang.

Viele Führungskräfte glauben, dass sie im Wettbewerb nur durch die Fokussierung auf das eigene Ego bestehen.

Auf dieser Basis beuten sie die zur Verfügung stehenden Ressourcen ohne Limit aus, Mitarbeiter führen sie ausschließlich leistungsorientiert und oft mit Härte – mit destruktiven und oft auch für die Unternehmensziele kontraproduktiven Folgen.

Menschliche Führung kann daraus nicht erwachsen. Sie gelingt erst, wenn Führungskräfte sich auf ihre Mitarbeiter als Menschen einlassen und sie als Menschen begleiten.

Um diesen Zustand zu erreichen, muss eine Führungskraft zuerst und im Wesentlichen an sich selber arbeiten und ihre eigene Persönlichkeit umfassend auf den Prüfstand stellen.

Denn – so Anselm Grün: Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann auch ein guter Manager sein und Mitarbeiter führen, ohne ihre menschlichen Grundlagen zu verletzen.

Plädoyer „Mitarbeiter führen mit mehr Menschlichkeit“

Eine tragfähige und gesunde Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter beruht auf Achtsamkeit.

Doch gerade die geht oft verloren, wenn das Umfeld respektive Leistungsdruck, Konkurrenz, Stressbelastung und andere Faktoren sie nicht erlauben. Menschen, die in Extremsituationen agieren müssen, reagieren auch extrem.

Anselm Grün, der selbst in großen Wirtschaftsunternehmen lehrt, bringt es auf den Punkt: Arbeitnehmer werden häufig nur als Produktionskräfte benutzt.

Viele Firmen verstehen unter „Mitarbeiter führen“ vor allem, dass diese reibungslos funktionieren.

Sie planen und entscheiden über die Köpfe ihrer Mitarbeiter hinweg, ohne auf deren Bedürfnisse zu achten oder diese ernst zu nehmen. Das geht nicht gut – auf die Dauer führt diese Strategie zu Widerstand.

Wer sich über seine Mitarbeiter stellt, kann nicht gut mit ihnen arbeiten, da eine gemeinsame Basis nicht vorhanden ist.

Fühlen sich die Mitarbeiter wegen zu hoher Stressbelastung oder einem generell schlechten Arbeitsumfeld nicht wohl im Unternehmen, hat das ernste Konsequenzen: Sie werden krank oder flüchten in die innere Kündigung.

Risiken sind mit beiden Szenarien verbunden – hohe Produktionsausfälle führen zu wirtschaftlichen Verlusten.

Nur wer seine Mitarbeiter achtet und auch mit sich selbst und seinen persönlichen Ressourcen achtsam umgeht, kann gute Führungsarbeit leisten.

Im Sinne Anselm Grüns geht es dabei um ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit in Unternehmen.

Praxistipps für eine mitarbeiterorientierte Führung:

1. Hören Sie Ihren Mitarbeitern zu.

Viele Manager glauben, dass sie gut kommunizieren, nur weil sie viel reden. Doch zu einer funktionierenden Kommunikation gehört vor allem, dem Gesprächspartner aufmerksam zuzuhören und auf ihn einzugehen.

So verbessern Sie Ihre Kommunikationsfähigkeiten, denn als Führungskraft sind Sie Manager von Beziehungen.

2. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Lassen Sie ihre Mitarbeiter erkennen, dass seine persönliche Leistung ein wichtiger Beitrag zum Erreichen des Unternehmensziels ist. Schaffen Sie die passenden Anreize – und informieren Sie sich, wie Sie Motivationsgespräche professionell führen.

3. Kritisieren Sie, aber äußern Sie Ihre Kritik richtig.

Nicht einfach raus mit dem Ärger – das führt auf der anderen Seite mit Sicherheit zur Frustration. Denken Sie daran: Es geht um die Sache, nicht um den Menschen. Zeigen Sie vor allem Empathie gegenüber ihren Mitarbeitern, nur so gelingen konstruktive Kritikgespräche.

4. Lernen Sie, richtig mit den eigenen und den Emotionen anderer umzugehen.

Nur, wenn Sie Ihre eigenen Gedanken und Gefühle erkennen und kontrollieren können, werden Sie auch in der Lage sein zu erkennen, was andere fühlen.

So können Sie die Handlungen der anderen besser verstehen und in der Regel sogar voraussehen. Menschen mit einer ausgeprägten emotionalen Intelligenz sind in der Lage Emotionen richtig einzuschätzen und gezielt zu nutzen.

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    istockphoto/Ridofranz